Ein Moment mit … Jean Muller

Ein Moment mit ... Jean Muller

Foto: Marlene Soares

Heute im Interview:
Pianist Jean Muller, 1979 in Luxemburg geboren

Da steht er auf der Bühne. Groß. Imposant. Das gewellte Haar umrankt seinen Kopf. Also Franz Liszt heute Abend. Jean Muller (s. auch Feuilletonscout v. 10.4.2014) hat sich etwa vorgenommen. Mit den 12 Transzendentalen Etüden, den Etudes d’exécutution transcendente, hatte Liszt (1811-1876) schon seine Zeitgenossen mehr oder weniger überfordert. Die Stücke sind über ein Vierteljahrhundert entstanden, die erste Version, als der Musiker erst 15 Jahre alt war, die zweite dann 13 Jahre später. Sie galt als unspielbar. 1852 erarbeitete Liszt dann schließlich die Version, die wir gleich hören sollen.

Jean Muller setzt sich an den Flügel und – um es vorwegzunehmen – der Abend wird zu einem Ereignis. Hier wird nicht einfach nur gespielt. Leidenschaft, Entzücken, Hingabe, Kraft, wie ein Dompteur greift Muller in die Stücke, liegt fast auf den Tasten. Virtuos beherrscht er die Tempiwechsel, flüsternd in den sanften, fast brüllend in den wuchtigen Passagen. Bei den „Feux follets“ sieht man förmlich das Irrlicht züngeln, die „Chasse neige“ überrascht mit großer Harmonie. Nach dem abschließenden „Mephisto-Walzer Nr. 1“ werden die “Bravo“-Rufe aus dem Publikum lauter. Nur die drei wunderbaren Zugaben versöhnen damit, dass das Konzert nun endgültig vorbei ist.
Keine Frage – mit Jean Muller muss man auch in Zukunft rechnen. Sein Spiel begeistert!

Feuilletonscout sprach mit dem Künstler vor seinem Konzert in Berlin:

Feuilletonscout: Warum ist es die Liebe zum Klavier?
Jean Muller: Da bin ich sehr durch mein Elternhaus geprägt. Mein Vater war Pianist, meine Mutter ist Bratschistin – es hätte also auch das Streichinstrument werden können, aber das hat dann irgendwie nicht gepasst. Ich liebe das Klavier, weil es so enorm viele Möglichkeiten bietet, sich auszudrücken.

Feuilletonscout: Wie viele Stunden verbrachten Sie als Kind am Klavier, wie viele sind es heute?
Jean Muller: Insgesamt war es immer sehr viel. Als Kind habe ich natürlich nicht so viel geübt, sehr viel mehr Stunden  – ich würde sagen am meisten – habe ich in meiner Studienzeit am Klavier gesessen. Täglich acht Stunden. Heute sind es rund drei bis vier. Da ich auch noch vier bis fünf Stunden am Tag unterrichte, hat sich meine persönliche Übungszeit auf dieses Maß eingependelt.

Feuilletonscout: Chopin, Liszt, Bartók, Rachmaninov, Strawinsky – gut ein Jahrhundert. Haben Sie einen Lieblingskomponisten?
Jean Muller: Natürlich gibt es Repertoireschwerpunkte. Bei mir haben sich im Laufe der Jahre Beethoven, Chopin und Liszt herausgeschält. Aber es gibt keine Begrenzung. Ich bin weiterhin sehr neugierig, möchte mich auch gern auf Modernes konzentrieren, z.B. Werke von György Ligeti spielen.

Feuilletonscout: Auf Ihrer neuen CD spielen Sie Liszt in der Bearbeitung von Vladimir Horowitz. Wie erarbeiten Sie sich die Stücke? Haben Sie Vorbilder?
Jean Muller: Ja, natürlich hat man Vorbilder. Horowitz ist fast selbstverständlich. Oder auch Rubinstein. Aber irgendwann sind diese großen Pianisten weniger Vorbild als viel mehr Inspiration. Allerdings finde ich auch, dass es ganz wichtig ist, über das Klavieruniversum hinauszublicken, denn das findet zwangsläufig eine Begrenzung. Auch ein schönes Bild kann mir Quelle neuer Ausdrucksmöglichkeiten sein, wenn ich ein Stück erarbeite.

Feuilletonscout: Gibt es Angststellen in Stücken, die Sie spielen?
Jean Muller: Es gibt Stücke, die schwierig sind. Mein derzeitiges Konzertprogramm gehört sicher dazu. Aber konkrete Angststellen habe ich nicht. Das wäre meiner Meinung nach auch eher ein psychologisches Problem. Sicher kann es vorkommen, das mal etwas nicht so klappt, zum Beispiel wenn man müde ist. Aber das muss man überwinden. Bei mir überwiegt die Freude an der Herausforderung, in neue Stücke einzutauchen.

Feuilletonscout: Haben Sie Lampenfieber?
Jean Muller: Eher weniger. Das hängt aber auch damit zusammen, wie häufig man auf der Bühne steht. Nach längeren Pausen bin ich nervöser als wenn ich während einer Tournee fast täglich vor Publikum spiele. Eine gewisse Grundanspannung ist natürlich immer vorhanden. Aber die gibt mir Kraft, in diesem einen Moment das Beste aus mir herauszuholen. Lampenfieber bedeutet hingegen für mich, in meinen Möglichkeiten eingeschränkt zu sein. Es ist die Angst vor der Angst, und die lähmt. Als Lehrer werde ich oft gefragt, ob es einen psychologischen Trick gebe, wie man Lampenfieber überwinden könne. Ich sage dann immer „Nein“. Das einzige, was man sich sagen muss, ist: „Was könnte schief gehen?“ Seien wir ehrlich. Eigentlich kann in jeder Minute unseres Lebens irgendetwas passieren, selbst wenn wir morgens aufstehen, können wir ausrutschen. Aber in der Regel passiert nichts. Warum sollte das auf der Bühne anders sein?

Feuilletonscout: Was ist Ihr größter musikalischer Traum?
Jean Muller: Weitermachen, so lange es geht. Ich habe das große Glück, bereits so viel gespielt zu haben, auch öffentlich. Von 2007 bis 2009 habe ich alle Sonaten von Beethoven einstudiert. Das würde ich gern noch einmal wiederholen.

Feuilletonscout: Sie sind in vielen Städten dieser Welt unterwegs. Worauf freuen Sie sich, wenn Sie reisen? Und worauf, wenn Sie nach Hause kommen?
Jean Muller: Wenn ich reise, freue ich mich vor allem auf die Begegnungen mit den Menschen. Immer wieder erlebe ich, dass Musik eine Sprache ist, die an vielen Orten verstanden wird. Vom Ort selbst bekomme ich meist gar nicht so viel mit. Oft reise ich kurz vor dem Konzert an und am nächsten Morgen gleich wieder ab. Da bleibt nicht viel Zeit, ein Land kennenzulernen. Einmal war ich in Peking und um wenigstens ein bisschen von der Stadt zu sehen, war ich vor dem Konzert bei 35 Grad in der verbotenen Stadt. Das hat sich abends gerächt. Das Konzert war zwar ein Erfolg, aber eigentlich konzentriere ich mich lieber vor einem Auftritt statt in der Gegend herumzulaufen und Sehenswürdigkeiten anzuschauen.
Wenn ich nach Luxemburg zurückkomme, freue ich mich am meisten auf meine Familie. Meine Tochter Lulu ist jetzt fünf Monate alt. Ein starker Magnet, wieder heimzukehren!

Feuilletonscout: 2007 wurden Sie zum Ritter des zivilen und militärischen Verdienstordens Adolph von Nassau ernannt. Sehen Sie sich auch als Botschafter Ihres Heimatlandes, so wie es dieses offensichtlich tut?
Jean Muller: Ja, natürlich. Ich bin neben meiner normalen Konzerttätigkeit auch viel bei Staatsvisiten dabei. Nächsten Monat geht es nach Polen. Ich freue mich sehr darüber, und es ist auch ein Vertrauensbeweis, wenn man immer wieder gefragt wird. Insgesamt war ich bereits sechs Mal in dieser Funktion unterwegs.

Feuilletonscout: Was sollen die Menschen von Ihnen und/oder Ihrer Kunst in Erinnerung behalten?
Jean Muller: Als ausführender Künstler, als Pianist, bleiben vor allem Aufzeichnungen. Da ich auch als Lehrer tätig bin, würde ich mich freuen, wenn meine Schüler eines Tages zurückblicken und sagen würden, dass ich Ihnen eine Menge für ihr musikalisches Leben mitgegeben habe.

Feuilletonscout: Was wären Sie geworden, wenn nicht Pianist?
Jean Muller: Wahrscheinlich Mathematiker oder Physiker. Musik hat auch viel mit der Begeisterung für Zahlenspielereien gemeinsam, und ich kenne Menschen, die es geschafft haben, Musik und Wissenschaft zu verbinden. Ich selbst wollte im Musizieren keine Kompromisse machen.

Vielen Dank für das Gespräch, Herr Muller!

Jean Mullers neues Album “Transcendence” mit Werken von Franz Liszt ist jüngst erschienen. Am 22. Juni 2014 präsentiert er es in der Carnegie Hall in New York, am 27. Oktober 2014 in der Cadogan Hall in London.

Ein Moment mit... Jean Muller

Jean Muller
Transcendence
Jch-Production
Music & More S.A. 2014

“Feux follets”, live beim “Transcendence”-Rezital in der Philharmonie Luxembourg am 24. Februar 2014

 

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Neu im Kino: „Lauf, Junge, lauf“

Der Film beruht auf einer wahren Geschichte. 1942 schafft es der neunjährige jüdische Junge Srulik, sich aus dem Warschauer Ghetto zu schmuggeln und den Massendeportationen zu entkommen. Gejagt von den Nazis, schlägt er sich durch die Wälder, wagt sich vor Hunger in die Dörfer, findet Menschen, die ihm helfen und solche, die ihn verraten. Seine engste Verbündete wird die Bäuerin Magda, die ihm empfiehlt, sich als Katholik mit Namen Jurek auszugeben. Srulik befolgt ihren Rat, übertreibt es mit seiner neuen Identität sogar von Zeit zu Zeit. Und obwohl er bei einem schrecklichen Unfall seinen rechten Arm verliert, schafft Srulik es, zu überleben und nach drei Jahren Irrfahrt glücklich in Israel anzukommen.

Regisseur Pepe Danquardt erhielt 1994 für seinen Kurzfilm „Schwarzfahrer“ den Oscar und machte mit Filmen wie „Joschka und Herr Fischer“ oder auch „Am Limit“ auf sich aufmerksam.

Deutschlandradio Kultur kritisch positiv: „Der Film ist schlicht und bieder erzählt. Als ein trauriges “Huckleberry Finn”-Abenteuer in schlimmen Zeiten. Mit kindlichen rührenden Großaufnahmen. Musikalisch kitschig untermalt. Konzertant als Getöse begleitet. [...] Ein schwacher starker Film.“

Der Deutschlandfunk ebenso: „Eindrucksvoll, die Geschichte des kleinen Jungen, der durch eine mörderische Welt läuft, sich in den Wäldern mit anderen jüdischen Flüchtlingen zu ernähren sucht. Aber störend ist, wie sehr Pepe Danquart einen historischen Abenteuerfilm zu inszenieren sucht. Und das unerträgliche Pathos des Soundtracks macht “Lauf Junge Lauf” auch nicht zum überzeugenderen Film.“

Süddeutsche online fasst zusammen: „Keine einzige Minute ist überflüssig, wenngleich man das Ende mit dem glücklichen Ausgang als Erlösung empfindet.“

Die Stuttgarter Nachrichten meinen: „Eine Geschichte, die durchschüttelt“

Cinema online hält fest: „Der Film lebt von der Darstellung der polnischen Zwillinge Andrzej und Kamil Tkacz, die das Martyrium des kleinen Srulik/Jurek schmerzhaft spürbar machen. [...] Mit seinem vierten Spielfilm ist Pepe Danquart ein reifes Werk über den Sieg der Menschlichkeit in unmenschlichen Zeiten gelungen.“

Neu im Kino: "Lauf, Junge, lauf"

Kino zum Film: hier

 

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Zwei Minuten und 25 Sekunden mit … Dusty Springfield (1939 – 1999)

Heute wäre die britischen Pop- und Soulsängerin 75 Jahre alt geworden. Der Durchbruch gelang der in London geborenen Dusty Springfield 1964 mit dem Song „I only want to be with you“. Es folgten zahlreiche weitere Hits, darunter auch „Son of a Preacher Man“ im Jahr 1968, den Quentin Tarantino in „Pulp Fiction“ 1994 wiederbelebte.

Zwei Minuten und 25 Sekunden mit ... Dusty Springfield (1939 - 1999)

In den siebziger Jahren war ihre Karriere an einem Tiefpunkt, einhergehend mit großen persönlichen Problemen. Erst Ende der achtziger Jahre gelangen der Sängerin, über die die New York Times einmal schrieb, sie sei die “größte Popsängerin Großbritanniens”, vor allem in Zusammenarbeit mit den Pet Shop Boys späte Erfolge. Dusty Springfield starb am 2. März 1999 an Brustkrebs.

 

 

 

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Literatur: New York Times Illustrator Nicholas Blechman „Die Welt der Tiere“

Der Elefant kann unter allen Tieren die größte Last stemmen. Aber im Verhältnis zum eigenen Körpergewicht? Da hat der Riesenkäfer die Muckies vorn und schafft sage und schreibe das 850-fache seines Körpergewichts. Und wie sieht es beim Luftanhalten aus? Okay, der menschliche Weltrekordler schafft 22 Minuten, der Badewannentaucher maximal 1 Minute. Aber der Alligator immerhin zwei Stunden. Dafür hat der Mensch die meisten Bakterien im Mund, nämlich 615, während sein Hund nur auf 600 kommt, die Maus auf 200. Und was den Alligator betrifft: Selbst ein neugeborener Mensch hat ein größeres Hirn als das Reptil.

In seinem Buch „Die Welt der Tiere“ nimmt der Illustrator Nicholas Blechman, Art Director bei der New York Times, die bunte Tierwelt unter die Lupe und veranschaulicht in seinen Grafiken jede Menge Wissenswertes aus der Welt der Lebewesen.

Zeit online begeistert: „Nicholas Blechman sticht mit seinen Illustrationen jedoch heraus aus der Masse der Tierfakten. Mit großer Liebe zum Detail und lustigen Ideen stellt er verblüffende Rekorde aus dem Tierreich so schön und anschaulich dar wie kaum ein anderer.“

Literatur: Nicholas Blechmann "Die Welt der Tiere"

Nicholas Blechman
Die Welt der Tiere. Sehen & Verstehen
Knesebeck Verlag, München 2014

 

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Musik: Jazzsänger Gregory Porter mit neuer CD auf Welttournee

Erst wollte Gregory Porter Football-Spieler werden, dann Architekt und schließlich wurde er Jazzsänger. Geboren 1971, wuchs er in einer Umgebung auf, in der Rhythm  & Blues, Soul und Gospel an der Tagesordnung waren. Erst 2010 gelang dem Riesen mit der Baritonstimme mit seinem Debüt-Album „Water, das für einen Grammy nominiert wurde, der Durchbruch. Sein zweites Album „Be Good“, war 2012 ebenfalls für den Grammy nominiert. Inzwischen liegt auch sein drittes Album „Liquid Spirit“ vor.

Der Westen online meint: „Dazu kommt diese Stimme wie ein Barrique-Fass. Alles, was aus Porters Kehle sprudelt, klingt reif und veredelt, Töne und Gefühle. Sein warmer, klarer Bariton kann Scat-Gesang genau so wie samtige Balladen.“

In der Berliner Morgenpost heißt es: „Gregory Porter verbindet die großen Traditionen des amerikanischen Jazzgesangs mit Soul, Gospel und Rhythm’n'Blues.“

Welt online schwärmt: „Und natürlich mit dieser Stimme, diesem wohlig-weichen Bariton, in dessen beruhigenden Schallwellen man ein Bad nehmen möchte.“

Der österreichische Standard hält fest: „Porter, im Auftreten ein paradoxer Mix aus Lockerheit und Schüchternheit, ist eben der Advokat des Samtig-Weichen, seine Stimme tendiert immer zu Gediegenheit und Klarheit; in jeder Stimmlage bleibt das Timbre folglich kultiviert und entspannt.“

 

Der Sänger, der als seine Vorbilder Nat King Cole und Nina Simone angibt und der immer mit Sturmhaube und Ballonmütze auftritt, ist derzeit auf Welttournee.

Termine in Deutschland:

heute, 14.4.2014 in der Philharmonie in Berlin.
23.5.2014 in der Autostadt Wolfsburg
24.5.2014 Elbjazzfestival in Hamburg
15.7.2014 im Mercedes Benz Museum in Stuttgart
16.7.2014 beim Zelt-musik-festival in Freiburg
12.8.2014 beim Zeltival in Karlsruhe
14.8.2014 im Kulturzelt in Kassel
15.8.2014 in der Kulturarena in Jena
13.9.2014 BLG Forum Überseestadt in Bremen
4.10.2014 Landes-Jazz-Festival Baden Württemberg in Wangen
8.11.2014 beim Jazz Festival in Aalen
9.11.2014 Jazztage in Ingolstadt
10.11.2014 Jazztage in Leverkusen

 

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Ausstellung: „Von nah und fern. Zuwanderer in die Reichsstadt Nürnberg“

Albrecht Dürer, dieser 1471 in Nürnberg geborene und 1528 dort gestorbene, dieser deutsche Künstler hatte einen Migrationshintergrund? Ja, sagt das Fembohaus in Nürnberg in seiner derzeitigen Ausstellung „Von nah und fern. Zuwanderer in die Reichsstadt Nürnberg“. Natürlich, Nürnberg war ein Drehkreuz des Handels, und dadurch per se Anziehungspunkt für Menschen aller Herren Länder. Nicht nur Künstler wie Dürers Vater, ein Goldschmied aus Ungarn, auch Handwerker und Händler kamen in die Stadt und gaben ihr ein multikulturelles Gepräge, viele auch, weil sie gezielt von der Stadt Ende des 15. Jahrhunderts angeworben wurden.  Nach dem Dreißigjährigen Krieg gewährte die Reichstadt zusätzlich Glaubensflüchtlingen aus Österreich und den Niederlanden Zuflucht.

Die Ausstellung spürt anhand von 25 Biographien den Motiven des Zuzugs nach und zeigt, was der Transfer von Wissenschaft, Kunst und Handwerk für die Stadtgesellschaft bedeutete.

Ausstellung: „Von nah und fern. Zuwanderer in die Reichsstadt Nürnberg“

Von nah und fern. Zuwanderer in die Reichsstadt Nürnberg
Ausstellung noch bis zum 10. August 2014

Stadtmuseum Fembohaus
Burgstraße 15
90403 Nürnberg

Öffnungszeiten
Dienstag bis Freitag: 10 – 17 Uhr
Samstag, Sonntag und Feiertag: 10 – 18 Uhr

5 Euro / 3 Euro

 

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Musik: Bela B. mit neuem Album “Bye” und Single “Abserviert”

Bela B. ist in erster Linie bekannt als Gründungsmitglied und Schlagzeuger der Punkrockband Die Ärzte. Gegründet 1982, war die Gruppe von 1988 bis 1993 getrennt. Seit 1993 spielt sie in der heutigen Besetzung mit Bela B., Farin Urlaub und Rodrigo González.

Daneben ist Bela B. aber auch als Schauspieler, Hörspiel- und Synchronsprecher aktiv. Und auch als Musiker ist er immer mal wieder auf Solopfaden unterwegs.

Vor einer Woche erschien sein drittes Album „Bye“ mit der Singleauskopplung „Abserviert“.

Rolling Stone online meint: “zwölf Stücke, die sich quer durch den Americana-, Country- und Rockabilly-Kosmos der 50er- und 60er-Jahre schlängeln.”

Die Passaue Neue Presse hält fest: “Auf der neuen Platte, die im Übrigen rotzig-frech, aber auch ungemein charmant geraten ist, geht es musikalisch mal luftig-entspannt [...] mal grobschlächtiger zu [...]. Aber fast alles, vom schlagermusikalischen “Nicht Nice” mal abgesehen, atmet dieses Gefühl der Freiheit im Westen.”

Musik: Bela B. mit neuem Album und Single "Abserviert"

Bela B. mit Smokestack Lightnin’ und Petra Devlin
Bye
B-Sploitation (rough trade), 2014

Bela B. ist im Mai auf Tournee.
Alle Tourdaten: hier

Single “Abserviert”

 

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Neu im Kino: “Ida”

Polen 1962. Anna ist als Waise in seinem Kloster groß geworden. Als sie 18 ist, kurz bevor sie ihr Gelübde ablegen soll, erfährt sie von der Oberin, dass sie doch noch eine Verwandte hat. Anna soll ihre Tanta Wanda besuchen. Als sie dort ankommt, trifft sie auf eine Frau, die als Staatsanwältin viele Todesurteile ausgesprochen hat, bevor sie selbst in Ungnade gefallen ist. Nun bestimmen Alkohol und Männer ihr Leben, aber ganz gewiss nicht Religion. Und Anna erfährt, dass sie eigentlich Ida heißt, Jüdin ist und ihre Eltern im Krieg umgebracht wurden. Obwohl Tanta Wanda zunächst wenig begeistert von Anna ist, begeben sich die beiden Frauen  auf die schmerzliche Reise in die Vergangenheit ihrer Familie. Dabei müssen sie sich nicht nur gegenseitig erst einmal kennenlernen, sondern Anna stellt auch zunehmend ihre eigenen Ideale und ihren Glauben in Frage.

„Ida“ erhielt in Polen den Preis als bester Film des Jahres.

Der Deutschlandfunk hält fest: „Regisseur Pawel Pawlikowski erzählt von Beginn an eine starke, komplexe Geschichte. Er findet dafür in schönen Schwarzweißbildern und ruhigen Kameraeinstellungen auch eine passende Umsetzung.“

Deutschlandradio Kultur positiv: „In edlen Schwarz-Weiß-Aufnahmen nähert Pawlikowski sich den ganz großen nationalen Wunden des Landes: Holocaust und der anschließende Kommunismus. [...] Pawlikowski will aufdecken, aber nicht belehren. Er zeigt nicht mit dem Finger, sondern blickt – ausgestattet mit der Kraft eines klugen Erzählers – auf die Widersprüchlichkeit zweier Lebensläufe. Dieser Mut hat ihm in Polen den Preis für den Film des Jahres eingebracht.”

Die Fraunkfurter Rundschau konstatiert. „„Ida“ ist der erste Film – abgesehen von einzelnen Werken der Altmeister Wajda, Skolimowski und Polanski – der tatsächlich die Schönheiten des klassischen polnischen Kunstfilms für die Gegenwart entdeckt.“

Cinema online ebenso: „Die ruhigen, konzentrierten Schwarz-Weiß-Bilder verleihen der behutsam inszenierten Geschichte einen meditativen Sog.“

Neu im Kino: "Ida"

Kino zum Film: hier

 

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Musik: Pianist Jean Muller ist mit seinem neuen Album “Transcendence” auf Welttournee

Mit sechs Jahren erhielt er seine ersten Klavierstunden am Conservatoire de Luxembourg, als Teenager verschlug es ihn während seiner Ausbildung nach Riga, Brüssel, Paris und München. Inzwischen spielt Jean Muller, 1979 in Luxemburg geboren, vor allem mit dem Bayerischen Staatsorchester, den Münchner Symphonikern und dem Luxembourg Philharmonic Orchestra. Vielfach ausgezeichnet, darunter auch mit dem ersten Preis des ‚Concours Francis Poulenc’ in Frankreich, ehrte ihn Luxemburg auch als Botschafter seines Heimatlands.

Von Rachmaninov bis Chopin

Bereits seit 1997 nimmt Jean Muller regelmäßig Alben auf – Rachmaninov, Strawinsky und Bartók ebenso wie Liszt und Chopin. Mit seinem mehrfach ausgezeichneten Album „Chopin Recital“ war er im vergangenen Jahr auf internationaler Tournee.

Franz Liszt

In diesem Jahr widmet sich Muller ganz Franz Liszt, einem Komponisten, mit dem er sich seit rund 20 Jahren intensiv beschäftig und dem er auf der aktuellen CD „Transcendence“ seine Referenz erweist. Mit den zwölf „Etudes d’exécution transcendante“ und „Mephisto-Walzers Nr. 1“ in der Bearbeitung von Vladimir Horowitz, ist Jean Muller derzeit wieder auf Tour, darunter auch in Frankfurt und Berlin.

Das Luxemburger Tageblatt online hält fest: “Man muss so jung sein wie Jean Muller – er ist 34 –, um sein Publikum mehr als zwei Stunden lang allein und mit einer derartigen Ausdruckskraft in Atem zu halten. [...] Das Konzert war eine regelrechte Auseinandersetzung mit den Pilgerjahren und den „Etudes d’exécution transcendantes“ [...]”

Musik: Pianist Jean Muller ist mit seinem neuen Album "Transcendence" auf Welttournee

Termine:
13.04.2014, 20:00 Uhr, Alte Oper Frankfurt, Mozartsaal
17.04.2013, 19.30 Uhr, Konzerthaus Berlin, Kleiner Saal

Programm:
Franz Liszt Après une lecture du Dante – Fantasia quasi Sonata
Franz Liszt Etudes d’exécution transcendante
Franz Liszt Mephisto-Walzer Nr. 1

 

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Literatur: Jann Markus Witt „Die Bounty war sein Schicksal“

Mit seiner Mannschaft, den einfachen Matrosen, konnte er gut. Er achtete darauf, dass sie genug zu essen bekamen und nicht an Skorbut erkrankten. Aber die Offiziere mochten ihn und seinen energischen Führungsstil nicht: William Bligh (1754-1817), legendärer Kapitän der „Bounty“. Bereits mit 15 Jahren begann er, zur See zu fahren, sechs Jahre später reiste Blight als Navigator mit James Cook auf dessen dritter Südsee-Expedition von 1776 bis 1779 mit. Dabei fertigte er so genaue Seekarten und Aufzeichnungen an, dass einige davon noch bis ins 20. Jahrhundert benutzt wurden. Nach Cooks Ermordung 1779 auf Hawaii war es Bligh, der das Schiff sicher wieder in die Heimat zurückführte.

William Bligh als Kommandant

Nach Kriegseinsätzen kommandierte Bligh ein Handelsschiff. Hierbei lernte er Fletcher Christian kennen, mit dem er sich anfreundete und der später  zum Anführer der Meuterei auf der „Bounty“ wurde. Als diese 1787 in See stach, verlief fast zwei Jahre alles gut. Bis zu dem Tag, als es zum Streit zwischen Bligh und Christian kam. Die Meuterer setzten Bligh und 18 seiner Gefolgsleute in einer kleinen Barkasse mitten im Pazifischen Ozean aus. Rund 5.800 km schaffte es Bligh im offenen Boot, bis er sich und seine kleine Mannschafft vom Osten Polynesiens nach 48 Tagen bis zur Insel Timor sicher an Land bringen konnte.

Der Journalist und Historiker Jann Markus Witt (geb. 1967) beschäftigt sich in seinem Buch „Die Bounty war sein Schicksal“ nicht nur mit der „Bounty“, sondern auch mit dem Leben William Blighs, seiner außergewöhnlichen, seemännischen Leistungen und auch der Kritik an seiner Person.

Deutschlandradio Kultur hält fest: „Chronologisch und detailliert erzählt der Autor von Blighs Leben. Und er berichtet von dessen navigatorischen Heldentaten. [...] Herausgekommen ist so ein wissenschaftlich fundiertes und auch psychologisch interessantes Buch über das abenteuerliche Leben William Blighs.“

Jann Markus Witt „Die Bounty war sein Schicksal“.

Jann Markus Witt:
Die Bounty war sein Schicksal. Das abenteuerliche Leben des William Bligh
Primus Verlag, Darmstadt 2014

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